Samstag, 07.12.2019 22:00 Uhr

Rezension: Schaden in der Oberleitung

Verantwortlicher Autor: Karl J. Pfaff/Michael H. Schmitt Frankfurt/M, 06.10.2019, 11:46 Uhr
Presse-Ressort von: LifestyleWeinKultur Bericht 5922x gelesen

Frankfurt/M [ENA] Der Buchautor und Kritiker Michael H. Schmitt hat eine Rezension zum neuesten Buch von Arno Luik: "Schaden in der Oberleitung" verfasst. Luik, Bahnkenner und Kritiker, schreibt, der desaströse Zustand der Deutschen Bahn sei kein Zufall. Es gebe Täter in der Bundesregierung und im Berliner DB-Tower. Der Autor kennt und nennt die Fakten und geht detailliert darauf ein.

"Schaden durch die Oberleitung" wäre eine Titelvariante gewesen, denn das geplante Desaster wurde zum einen durch die Bundesregierung, allem voran wegen der starren Haltung unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Deutschen Bahn, verursacht. Durch das Festhalten -wider besseres Wissen- an Milliarden teuren, unsinnigen, zum Scheitern verurteilten Bahnhofsprojekten (S21) und den Privatisierungswahn der DB durch die politischen Eliten in Wirtschafts- und Verkehrsministerium, aber nicht minder verursacht durch den schon pathologischen Drang zweier Bahnchefs, Hartmut Mehdorn und Rüdiger Grube, den Staatskonzern -also Eigentum aller Bundesbürger- mit aller Gewalt an die Börse zu bringen, haben gravierende Zukunftsprobleme zur Folge.

Die Leser, die die Bahn aus lang zurückliegenden Jahren kennen, erfahren ein ganze Reihe Déjà-vus, die sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahrzehnte des Missmanagement ziehen, beginnend mit dem damaligen Bahnchef Heinz Dürr zu Beginn der 1990er Jahre. Sie haben den Ruin des Staatsunternehmens auf eklatante Art und Weise vorangetrieben und dem Steuerzahler einen Schuldenberg von mehr als 20 Milliarden Euro aufgehalst. Kontrolle durch die Politik hat es bei der Bahn nie gegeben, viel wurde vertuscht bzw. schöngeredet, so Luik.

Als es die vielbelächelte Beamten-Bahn noch gab, waren Bahnhöfe Kommunikationszentren. Es gab von Menschen besetzte Schalter, dort konnte man seine Fahrkarte erwerben, bekam Auskunft, saß im Winter trocken und warm und die Bahnhofsgaststätte sorgte für eine kleine warme Mahlzeit und etwas mehr. Und! -nicht zu vergessen, die Bahn fuhr und war meist sogar pünktlich. Funktionierende Bahnhöfe gibt es im ländlichen Bereich so gut wie nicht mehr. Diese sind zu leblosen Haltestellen verkommen, zugemüllt, verdreckt und verrammelt. Doch heute, so konstatiert der Autor, wenn die Bahn kommt, dann meist außerfahrplanmäßig.

Autor Arno Luik, selbst Bahnfahrer und großer Stuttgart 21-Kritiker, benennt die verheerenden Auswirkungen des neoliberalen Angriffs auf das Staatsunternehmen. Luik beschreibt die Bahn als wunderbare und spezielle Versorgungseinrichtung für unfähige Manager und ausrangierte Politiker wie Roland Pofalla, der in seinem neuen Job außerhalb der Politik ein Salär von 1,2 Mio. Euro nach Hause bringt. Die Jahresvergütungen der Chefs sind seit Mehdorn Jahr für Jahr exorbitant angestiegen. Die millionenfache Abfindungen (Mehdorn 4,8 Mio-€, Grube 2,3 Mio Euro), trotz miserabler Leistung, sind wirklich niemandem mehr zu erklären.

Das System Bahn sichert Ex-Politiker, Minister, Oberbürgermeister und Beamte, Gewerkschafter und mehrere Lobbyisten finanziell bestens ab. Durch ihren Einfluss sind sie politische Bahnbrecher, denn sie arbeiten an allen Fronten für den Konzern, wie auch beim Stuttgarter Tiefbahnhof S21. Die Katastrophe kostet heute schon mehr als doppelt so viel wie einmal veranschlagt, ein Ende ist schwer abschätzbar.

Dieses Projekt, so behauptet die Kanzlerin Merkel, zeige der ganzen Welt die technische Leistungsfähigkeit der Bundesrepublik. S21, mündet nach Auffassung des Autors parallel zum BER in einem wirtschaftlichen und ökologischen Desaster, gegen alle Vernunft und die Warnungen zahlreicher Ingenieure und Wissenschaftler. Arno Luik: „Schaden in der Oberleitung. Das geplante Desaster der Deutschen Bahn“, 296 Seiten, 20 Euro, Westend Verlag, ISBN978-3-86489-267-7

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Info.